
Apotheken Niedersachsen: Wolfsburgs älteste Apotheke schließt
Die Apotheken in Niedersachsen werden weniger, und in Wolfsburg ist das gerade ganz konkret zu sehen: Die Widukind-Apotheke, nach Angaben der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung die älteste der Stadt, schließt zum Jahresende nach 86 Jahren. Was dahintersteckt und wie es um die Apothekenzahl im ganzen Land steht, erfährst du hier.
Auf einen Blick
- Die Widukind-Apotheke in Wolfsburg schließt zum 31. Dezember 2026, laut Inhaberin aus privaten Gründen und nicht aus wirtschaftlichen.
- Ende 2025 gab es in Niedersachsen 1.622 öffentliche Apotheken, 49 weniger als ein Jahr zuvor (minus 2,9 Prozent).
- Im dritten Quartal 2026 stand je eine Schließung einer Neugründung gegenüber, der Bestand lag laut Pharmazeutischer Zeitung bei 1.616.
- Bundesweit lag die Apothekendichte Ende 2025 bei 20 Apotheken je 100.000 Einwohner, in Niedersachsen ebenfalls bei 20.
Was ist in Wolfsburg passiert?
Am 15. Oktober 2026 berichtete die Wolfsburger Allgemeine Zeitung (WAZ), hier gelesen über das Portal leinetal24.de, dass die Widukind-Apotheke zum Jahresende ihre Türen schließt. Eröffnet wurde sie laut Bericht am 15. März 1940 von Wilhelm Nabel. Elf Jahre lang war sie die einzige Apotheke Wolfsburgs, erst 1951 kam mit der Adler-Apotheke in der Saarstraße eine zweite hinzu. 1973 übernahm Gunter Nabel, der Sohn des Gründers, die Leitung, und seit 2020 führt Asmaa Hamada den Betrieb.
Interessant ist die Begründung. Hamada sagt laut WAZ, die Entscheidung sei privater Natur. Ausdrücklich betont sie: „Das hat überhaupt nichts mit den Zahlen oder der Wirtschaftlichkeit zu tun.“ Sie will der Pharmazie treu bleiben, allerdings mit neuen Schwerpunkten. Ihre Mitarbeiterinnen haben nach ihrer Aussage bereits Zusagen für neue Stellen in anderen pharmazeutischen Einrichtungen in Wolfsburg. Bis Ende Dezember können Kundinnen und Kunden sich Listen ihrer erworbenen Arzneimittel ausdrucken lassen. Was aus den Räumen wird, die der Neuland Wohnungsgesellschaft gehören, ist offen.
Der Fall ist ein Einzelfall mit eigener Geschichte, und er sollte nicht vorschnell zum Beleg für eine allgemeine Ursache gemacht werden. Er zeigt aber, was eine Schließung für ein Quartier bedeutet: Eine Apotheke, die über Generationen bekannt war, verschwindet, und Stammkundschaft muss sich neu orientieren. In einer Großstadt wie Wolfsburg gibt es dafür Alternativen. Auf der Seite zu den Apotheken in Wolfsburg findest du die Standorte in der Stadt.
Wie viele Apotheken gibt es in Niedersachsen?
Die Zahlen stammen aus verschiedenen Quellen, die sich gut ergänzen. Die ABDA, die Bundesvereinigung der Apothekerverbände, weist in ihrer Statistik zum Jahresende 2025 für Niedersachsen 1.622 öffentliche Apotheken aus. Davon sind 1.184 Haupt- oder Einzelapotheken und 438 Filialapotheken. Je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner kommen damit 20 Apotheken auf die Bevölkerung, genau so viele wie im Bundesdurchschnitt. Bundesweit zählte die ABDA 16.601 Apotheken, den niedrigsten Stand seit 1977.
Wie schnell sich der Bestand verändert, zeigt die Abfrage der Pharmazeutischen Zeitung (PZ) bei den Landesapothekerkammern. Im Jahr 2025 sank die Zahl in Niedersachsen um 49 Apotheken, das entspricht minus 2,9 Prozent. Allein im vierten Quartal 2025 gab es 17 Schließungen und keine einzige Neueröffnung. Für das erste Halbjahr 2026 meldete die PZ im Juli, dass es im zweiten Quartal sechs Schließungen und zwei Neueröffnungen gab. Danach lag der Bestand bei 1.616 Apotheken. Im dritten Quartal, Stand Anfang Oktober 2026, kamen laut PZ eine Schließung und eine Neugründung hinzu, der Bestand blieb bei 1.616.
Ist das schon eine Trendwende?
Auf den ersten Blick wirkt das dritte Quartal ruhig: ein Betrieb weniger, ein Betrieb mehr. Die PZ selbst ordnet es aber zurückhaltend ein. Das höhere Fixum, also der feste Betrag, den Apotheken je abgegebener Packung verschreibungspflichtiger Arzneimittel erhalten, liegt seit dem 1. Juli 2026 bei 9 Euro und soll zum Jahreswechsel auf 9,50 Euro steigen. Eine Trendwende hat es laut PZ bisher nicht gebracht. Ein einzelnes Quartal reicht für eine Aussage über die Richtung auch nicht aus, zumal die Zahl der Schließungen von Quartal zu Quartal stark schwankt. Das zeigt der Vergleich zwischen den 17 Schließungen im vierten Quartal 2025 und der einen Schließung im dritten Quartal 2026.
Was bedeuten die Zahlen für dich?
Für die meisten Menschen in Niedersachsen ändert sich im Alltag zunächst wenig. Die Versorgung ist im Land nicht zusammengebrochen, und die Zahlen bewegen sich im niedrigen einstelligen Prozentbereich pro Jahr. Spürbar wird der Rückgang dort, wo eine Apotheke in einem Ort oder Stadtteil die einzige war. Dann werden Wege länger, und Wartezeiten in den verbleibenden Apotheken können zunehmen.
Ein paar Dinge helfen dir, wenn deine gewohnte Apotheke schließt:
- Lass dir rechtzeitig eine Übersicht deiner Dauermedikation ausdrucken, wie es die Widukind-Apotheke bis Ende Dezember anbietet. Das erleichtert den Wechsel.
- Prüfe frühzeitig, welche Apotheke in deiner Nähe liegt und welche Öffnungszeiten sie hat.
- Frage in deiner neuen Apotheke nach einem Botendienst, wenn du nicht mobil bist. Viele Betriebe bieten ihn an.
Eine Übersicht aller Standorte im Land bekommst du über unsere Apothekensuche für Niedersachsen. Dort kannst du Apotheken in Niedersachsen auf der Karte finden und in deiner Umgebung vergleichen. Wer über Landesgrenzen hinaus schauen möchte, findet im ApoGuru-Verzeichnis Apotheken aus ganz Deutschland. Und für die größte Stadt im Land lohnt ein Blick auf die Seite der Apotheken in Hannover.
Warum lohnt sich der Blick auf die Hintergründe?
Ob eine Apotheke schließt, hängt von vielen Faktoren ab, und jeder Fall liegt anders. In Wolfsburg nennt die Inhaberin persönliche Gründe. Andernorts sind es fehlende Nachfolger, Personalmangel oder die Kosten. In einem weiteren Beitrag gehen wir der Frage nach, wie es in Niedersachsen zu dem langjährigen Rückgang kam und welche Ursachen Kammer, Verband und Landespolitik nennen. Wichtig ist: Die Zahlen sind keine Prognose für deine Apotheke vor Ort, sondern eine Momentaufnahme des Landes. Ende 2025 stand Niedersachsen mit 20 Apotheken je 100.000 Einwohner genau im Bundesdurchschnitt, auch wenn dieser Durchschnitt in Deutschland im europäischen Vergleich eher niedrig liegt.
Quellen und weiterführende Links
- Bitteres Aus: Älteste Apotheke der Stadt schließt (leinetal24.de nach Wolfsburger Allgemeine Zeitung, 15.10.2026)
- Apothekensterben hält auch im dritten Quartal an (Pharmazeutische Zeitung, 09.10.2026)
- Zweites Quartal 2026: Keine Trendwende beim Apothekensterben (Pharmazeutische Zeitung, 13.07.2026)
- Apothekensterben geht 2025 weiter (Pharmazeutische Zeitung, 09.01.2026)
- Apothekenzahl nach Bundesländern (Die Apotheke: Zahlen, Daten, Fakten 2026) (ABDA, 01.01.2026)
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